Scheitern als Chance – wie du aus Niederlagen etwas Positives für dich ziehen kannst

Es war der 15. Oktober 2014 da hielt ich zwei Dinge in meinen Händen. Vormittags meine Gewerbeanmeldung mit der ich den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt hatte. Es war soweit – ich gründete meine eigene Marketingagentur und war so aufgeregt, euphorisch und zugleich stolz auf all das was ich die Monate davor für diesen Schritt alles erschaffen hatte. Ich war bereit diesen neuen Weg zu beschreiten. Und dann am Abend desselben Tages saß ich auf einmal wie in einer Art Schockstarre im Badezimmer. Ich schaute auf einen positiven Schwangerschaftstest. Ich hielt diesen in meinen Händen und konnte es nicht glauben. Denn ich hatte einfach so überhaupt nicht damit gerechnet, weil die Ärzte mir zum damaligen Zeitpunkt auch sagten es wäre überhaupt nicht möglich unter den aktuellen Bedingungen schwanger zu werden.

Nach dem ersten Schock spürte ich aber, dass ich beides so sehr wollte. Die Selbstständigkeit, welche ein Traum für mich war für den ich die vergangenen Monate so sehr gekämpft hatte, aber auch das zweite Mal Mama werden. Und so begann ich meine Selbständigkeit mit einem kleinen schlagenden Herzchen unter meiner Brust. Es war definitiv eine super spannende Zeit in der ich auch hier und da an Grenzen gekommen bin gar keine Frage. Und im Laufe der Jahre begann sich etwas zu verändern. Ich begann mich zu verändern und ich spürte, dass es einfach nicht mehr passte. Es war wie so eine Art „inneres calling“, welches mich immer mehr zu der Frage hintrieb „was willst du eigentlich wirklich?“. Und ich bemerkte wie sich der Fokus nicht mehr so sehr auf die Agentur richtete. Ich hatte nicht mehr die nötige Motivation und den Antrieb. Zugleich ließ es sich dann auch immer schwieriger mit der gesamten Familiensituation als Mutter von dann insgesamt drei kleinen Kindern vereinbaren. Den Spagat zwischen der Selbstständigkeit und dem Familienleben – die Bälle gefühlt alle gleichzeitig in der Luft halten zu müssen – all das war irgendwann ein ziemlicher Kraftakt für mich und ich spürte, dass es so auch nicht weitergehen konnte. Zumindest, wenn ich mich in allem nicht komplett verlieren wollte. Und das war damals eins was ich ganz sicher wusste – das wollte ich nämlich definitiv nicht – mich selbst in alledem verlieren.

Nun, heute knapp 6 Jahre später sitze ich nun wieder hier und halte etwas in meinen Händen. Meine Gewerbeabmeldung. Und nein, ich bin heute nicht wieder schwanger, aber dennoch trage ich bildlich gesprochen wieder „etwas“ in mir, das sich in den nächsten Monaten auf den Weg machen möchte. Ich möchte einen neuen Weg einschlagen und die Richtung in meinem Leben ändern. Mehr zu dem hin was mich – so glaube ich zumindest aktuell – wirklich erfüllt und glücklich macht.

Als ich Anfang dieser Woche begonnen habe diesen Text zu schreiben hat es unfassbar geregnet – ein regelrechter Wolkenbruch mit Gewitter und allem Drum und Dran. Der Himmel bäumte sich auf und wurde dunkler und dunkler. Es schien fast so als ob der Tag wieder zur Nacht werden würde. Immer wenn es so stark regnet, stelle ich mir vor, dass der Himmel gerade weint. Eine gute halbe Stunde später zogen sich die Wolken bereits wieder auseinander und der Himmel erstrahlte wieder in seinem herrlichen blau. Die Sonne bahnte sich ihren Weg. Nach Regen kommt immer wieder Sonnenschein. So ist das Leben. Das ist der Lauf der Dinge – der Rhythmus des Lebens. Und so kommt nach einem Ende auch immer wieder ein Anfang. Ein Anfang von etwas Neuem.

Beim Ausfüllen meiner Gewerbeabmeldung war ich trotzdem irgendwie traurig. Wobei Traurigkeit zum jetzigen Zeitpunkt ehrlich gesagt schon nicht mehr wirklich das richtige bzw. treffende Wort dafür ist, welches meine inneren Gefühle darüber beschreibt. Ich melde meine Agentur nun ab – eine Entscheidung, die ich für mich getroffen habe, weil sie sich JETZT richtig für mich anfühlt. Diese Selbstständigkeit zu beenden ist eben nun ein Abschied von einem Teil in meinem Leben. Ein Abschied, welcher definitiv auch etwas mit mir macht – ganz ohne Frage. Ob ich weinen muss wie der Himmel von dem ich oben geschrieben habe? Nein, das muss ich nicht. Vor einem Jahr hätte ich aber definitiv noch ganz anders über diesen Schritt gedacht und gefühlt. Ich hätte es so sehr als scheitern empfunden. Als eine Art versagt zu haben, weil es nicht mehr so lief wie ich es mir vorgestellt hatte. Weil ich nicht mehr in der Lage war es so weiterzuführen wie ich es mir doch irgendwann einmal vorgestellt hatte. Mir einzugestehen, dass es das vielleicht doch einfach nicht wirklich ist bzw. war, obwohl es sich doch zu Beginn so richtig angefühlt hatte. Ja, richtig zu dem damaligen Zeitpunkt. Doch das Leben verändert sich nun einmal. Und so schwingt zwar etwas Wehmut mit, aber ich kann es jetzt annehmen, dass sich Träume und Visionen eben ändern bzw. sich verändern, weil man sich eben selbst auch verändert. Und es völlig okay ist Korrekturen und Anpassungen vorzunehmen und nochmal ganz ehrlich in sich hinein zu hören, ob das, was man da gerade eigentlich macht auch wirklich noch das ist, was man selbst eigentlich noch möchte und zu einem passt. Und eben sich nicht durch ein Gefühl von außen steuern und beeinflussen lässt was andere, die Familie oder Freunde nun darüber denken könnten. Nachdem ich da intensiv in mich hineingespürt und viel darüber nachgeadcht habe, fühlt es sich nun eben auch nicht mehr wie scheitern an.

Eher das Gegenteil ist der Fall – ich fühle wie der Stolz einsetzt und die Dankbarkeit wie einen lieb gewonnen Tanzpartner an seine Hand nimmt und im Gleichschritt einen wahren Freudentanz hinlegt. Stolz, dass ich mich damals getraut habe diesen Schritt zu gehen und Dankbarkeit für alles was ich aus diesen knapp 6 Jahren für mich lernen und mitnehmen durfte. Von daher ist da heute nicht mehr dieses Gefühl des „Versagens“ oder des „ich habe es nicht geschafft“. Doch wie oben schon kurz beschrieben hätte ich die Jahre zuvor auf jeden Fall sehr mit mir selbst gehadert und mich für das „Aufgeben/Scheitern“ oder wie auch immer man das eben nennen mag, verurteilt. Hätte an mir selbst gezweifelt und mir vermutlich wieder Sachen eingeredet, die in Wirklichkeit gar nicht so sind.

„Es gibt kein Scheitern. Scheitern ist das Leben das versucht dich in eine andere Richtung zu lenken.“
~ Oprah Winfrey ~

Heute kann ich für mich sagen, dass ich nicht gescheitert bin, sondern es vermutlich genau diese Jahre gebraucht hat damit etwas Neues beginnen kann. Mein Weg verändert sich und das Leben scheint mit mir nun in eine andere Richtung gehen zu wollen.

Doch warum ist bei uns Menschen das „Scheitern“ oder eine „Niederlage“ erleben zu müssen so negativ behaftet. Stellen wir uns einmal ein kleines Kind vor, wenn es versucht seine ersten Gehversuche zu wagen. Es fällt hin, rappelt sich auf und versucht es wieder. Immer und immer wieder bis es endlich laufen kann. Dieser Ansporn und dieser unermüdliche Antrieb sich nicht davon abhalten zu lassen das zu erreichen was es möchte – nämlich laufen – endlich laufen. Unabhängig davon wie oft es davor gestürzt ist. Und wir als Erwachsene bewundern dieses Verhalten zu tiefst. Doch in unserem eigenen Erwachsenenalter scheinen wir mehr und mehr Ängste vor dem Scheitern oder dem Versagen zu haben. Doch was genau bedeutet das Scheitern denn für uns selbst. Ist es die Angst von außen dafür bewertet zu werden vielleicht Fehler gemacht zu haben, die falschen Entscheidungen getroffen zu haben oder eben nicht gehandelt zu haben? Sich vielleicht selbst einzureden nicht gut genug dafür gewesen zu sein, weil man diese alten Glaubenssätze von früher immer noch in sich trägt. Aber sind wir nicht alle einfach nur Menschen und machen eben nun auch einmal Fehler oder treffen hier und da (rückblickend) nicht die richtigen Entscheidungen. Doch was können wir genau aus diesen Situationen für uns mitnehmen. Welche Lehren können wir daraus ziehen? Sind es nicht gerade jedwede Situationen, welche uns als größtmögliche Lehrstunden dienen können? Gehört nicht zu jedem Scheitern auch irgendwann wieder ein Neubeginn? Kann nicht immer aus etwas was nicht so funktioniert hat bzw. sich nicht so entwickelt hat wie wir es uns vielleicht vorgestellt haben etwas ganz Neues und vielleicht auch noch etwas Besseres entstehen, weil wir die Möglichkeit haben daran wieder ein Stück mehr zu wachsen?

Selbstverständlich gibt es auch Momente im Leben in denen wir vor vollendete Tatsachen gestellt werden und direkt mit dem Scheitern und der persönlichen Niederlage konfrontiert werden. Sei es im Job, im Sport, in Beziehungen durch ein anderes Ereignis in unserem Leben durch das wir gezwungen werden den Kurs zu ändern. Das Leben drängt uns dann gewissermaßen dazu alles zu überdenken und uns dadurch vielleicht auch vollkommen neu zu sortieren. Und ganz gleich durch was eine solche Kehrtwende eintritt, es ist absolut normal und menschlich Trauer und Frustration zu verspüren. Niedergeschlagen zu sein. Ich bin aber auch fest davon überzeugt, dass es wichtig ist diese Gefühle anzunehmen und sie auch ganz bewusst zu fühlen und anzuerkennen. Denn erst durch das Erkennen, das Hineinfühlen und dem rationalen Bewerten kann die Verarbeitung kommen und dann kann der Platz und die Chance für einen Neubeginn entstehen. Erst dann kann ein Scheitern oder eine Niederlage eine Möglichkeit für das eigene persönliche Wachstum sein bzw. werden.

„See it – feel it – change it“
~ Tanja Wendel ~

Ich für mich kann jetzt sagen, dass es vermutlich genau diesen Weg gebraucht hat. Sozusagen als eine Art Vorbereitung auf den nächsten Schritt. Eine Freundin meinte neulich zu mir „hey, du hast das doch jetzt alles schon einmal durch mit dem sich selbständig machen und weißt was du machen musst und worauf du Acht geben musst. Du hast jetzt vermutlich überhaupt keine Angst mehr diesen Schritt noch einmal zu wagen. Ich dagegen hätte unfassbar große Angst diesen Schritt überhaupt zu gehen.“ Und ja, sie hatte Recht. Ich habe nicht mehr die Angst diesen Schritt noch einmal zu wagen, denn ich bin schon einmal gesprungen. Doch vermutlich hätte sich diese neue Chance für mich nie aufgetan, wenn eben diese „Niederlage“ durch die Agenturaufgabe nicht gekommen wäre.

Vielleicht konntest du dich in diesem Artikel hier und da wiederfinden und etwas für dich mitnehmen, das würde mich sehr freuen. Ich kann dich nur dazu ermutigen – hab keine Angst vor dem Scheitern, sondern versuche solche Situationen mehr dazu zu nutzen und versuchen zu lernen wie dir diese vermeintlichen Misserfolge positiv für deine Zukunft dienen können. 

Ich wünsche dir einen ganz wundervollen Tag,
Deine Tanja ❤️

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